Dem Himmel sei Dank

 

RP Online 20.11.2013

Kendelbühne probt ihr neues Stück

FOTO: Kaiser, Wolfgang

Stadt Kempen. Die St. Huberter Theatergruppe fiebert der Premiere am kommenden Samstag entgegen. Derzeit erhalten einzelne Szenen der Komödie "Dem Himmel sei Dank" den letzten Schliff. Ein Probenbesuch. Von Margret Vieregge

Nun proben sie wieder – "Dem Himmel sei Dank". Das ist auch der Titel der neuen Komödie, die die Kendel-Bühne gerade einstudiert. Geheimnisvoll im Dunklen liegt der Drabben-Hof, in dessen Scheune sich die Komödianten bereits ab 19 Uhr eingefunden haben. Hier ist die Original-Bühne aufgebaut, damit sich die Schauspieler schon im kompletten Interieur einspielen können.

Und so geht es zwischen den drei Türen und dem Fenster rein und raus und hin und her. "Erst den zweiten Akt, denn der Hatti muss noch zur Arbeit", schallt es da und gemeint ist Hartmut Reimer, der, Krankenpfleger im richtigen Leben, noch zur Nachtschicht muss. Und das zeigt: Die Akteure sind Amateure und haben alle ihren Beruf. Neben Textlernen und den vielen Proben darf der Beruf nicht zu kurz kommen.

Gut, dass es da noch einige Helfer etwa fürs Kostümnähen gibt. So durfte Hartmut Reimer schon mal ein schwarzes Taftgewand anprobieren, wunderschön kardinalsrot abgesetzt mit passendem Käppi, mit dem er als Domkapitular Dr. Jüngling auftreten wird. Zwischen Püfferkes, Stollen und Getränken wird immer wieder an den einzelnen Szenen gefeilt. Johannes Dicks hat als Spielleiter seine Augen und Ohren überall. "Die letzte Probe war nicht so gut", mahnt er und spornt die Mitspieler an. "Es ist besser, wenn Du da stehen bleibst", gibt er Anweisung und "Stopp, Du sollst Dich bedächtiger aufregen..."

Karin Schenk, zuständig für die Regie, hält alles im Textbuch fest und notiert auch lustige Versprecher, die mit übernommen werden. Da die hohe Geistlichkeit in diesem Schwank die Kirche renovieren lassen will und keine Möglichkeit zum Geldscheffeln auslässt, fließen auch kleine Spitzen gegen einen gegenwärtigen Bischof in den Text hinein.

Schwierig wird es, wenn wie bei dieser Probe ein Schauspieler wegen Krankheit oder Beruf nicht anwesend sein kann. Dann liest Karin Schenk die Rolle vom Bühnenrand aus vor und Irmi Lemke als Haushälterin Hermine, muss auf eine imaginäre Person einreden.

Noch sind nicht alle Requisiten beisammen. Und so gibt es ein großes Hallo, als statt eines Schoppen Weins ein Spitzendeckchen in das Glas fließt oder statt mit einer krossen Scheibe Leber, wie es der Text vorschreibt, diesmal mit merkwürdig aussehenden Plastikteilen gespeist werden muss. Aber das verdirbt niemandem die gute Laune, die alle am Spiel haben und daran, dass schon alle Karten seit Wochen ausverkauft sind. Noch drei Proben stehen an, dann heißt es: "Toi, toi, toi – Vorhang auf zur Premiere!"

 

  vom 18.11.2013

Die Kendelbühne probt ihr neues Stück

Von Margret Vieregge

Am Samstag feiert das neue Stück der Kendelbühne Premiere. Unsere Redaktion war bei der Probe dabei.

Foto: Kurt Lübke

Eifrig geprobt haben die Mitglieder der Kendelbühne. Dabei lief noch nicht alles rund.

St. Hubert. Völlig im Dunkeln liegt der Drabbenhof in St. Hubert, doch in einer hellerleuchteten Scheune – da tut sich was. Dort probt die Kendelbühne ihr neues Stück. „Dem Himmel sei Dank" heißt es, und dieser Stoßseufzer wird so manchem Fan der St. Huberter Komödianten entfahren sein, wenn er noch eine Karte bekommen konnte – denn das Stück ist seit Wochen ausverkauft. Fleißig haben die Darsteller geprobt, am Samstag ist Premiere.

Spitzen gegen Bischof Tebartz-van Elst

Und so ganz zufrieden war Spielleiter Johannes Dicks mit dem Ensemble bei den Übungen noch nicht. „Zuletzt war es nicht so gut", mahnt er jüngst, als die WZ eine der Proben begleitet hat. Der Sprecher der Kempener Feuerwehr hat seine Augen und Ohren überall: „Stopp, Du sollst dich bedächtiger aufregen", sagt er, wenn Irmi Lemke als Haushälterin Hermine so richtig in Fahrt gerät.

Bei Püfferkes, Stollen und allerlei Getränken wird überlegt, wie die Schauspieler sich von Szene zu Szene aufstellen sollen. Dies alles notiert Karin Schenk als Regisseurin sorgfältig in ihr Textbuch. Da hinein kommen auch kleine lustige Versprecher, die gern in den Text übernommen werden. Diesmal sind es auch Spitzen gegen den in die Schlagzeilen geratenen Bischof Tebartz-van Elst. Denn im Stück wird das Geldscheffeln eine große Rolle spielen – und die Verwicklungen, die sich im Pfarrhaus daraus ergeben.

Hartmut Reimer, der den Domkapitular Dr. Jüngling spielt, hat seine erste Kostümprobe schon hinter sich. Wunderbar kleidet ihn der schwarze Taft, kardinalsrot abgesetzt, sowie das passende Käppi, das eine hilfreiche Hand ihm auf den Leib geschneidert hat.

Schon muss der zweite Akt vorgezogen werden. Hartmut Reimer muss noch zur Arbeit. Die Akteure sind eben Amateure, die neben ihren Berufen das Schauspiel lieben, das mit Textlernen und Proben jede Menge Arbeit, aber natürlich auch Spaß mit sich bringt. Deshalb finden jährlich nur vier Aufführungen statt.

Requisiten werden bei der Probe schon mal simuliert

Bei der Probe fehlt ein Schauspieler, so dass Karin Schenk von der Bühnenseite den Text liest und Irmi Lemke mit einer imaginären Person auf der Bühne agieren muss. Dies macht das Üben manchmal schwierig. Noch fehlen viele Requisiten. Da muss mal ein Vorhang zugezogen werden, der noch nicht existent ist; da wird in ein Glas anstatt Wein ein Spitzendeckchen gegossen; da werden zwei Leberscheiben mit unappetitlichen Kunststoffscheiben dargestellt.

Auch dies hat immer wieder schallendes Gelächter zur Folge. Sie sind schon eine lustige Schar, die St. Huberter Komödianten! Und das darf schon verraten werden: Das neue Stück wird die Lachmuskeln der Zuschauer mal wieder tüchtig strapazieren.